Interview mit Anna Katharina Jansen - nuukk

Interview mit Anna Katharina Jansen

Januar 27, 2022

Interview mit Anna Katharina Jansen

Für unsere Produkte arbeiten wir mit mehreren Illustratorinnen zusammen, die uns für das Design zur Seite stehen. Jede unserer Partnerinnen ist dabei auf ihre eigene Weise einzigartig und wir sind stolz darauf, über die Jahre ein solch tolles Netzwerk geschaffen zu haben. Um euch einen Einblick in die Arbeit unserer Illustratorinnen zu geben, beantworten Lenja, Jenny, Mona, Karin und Anna für euch in einer Interviewreihe einige Fragen.

Die Interviews erscheinen in der Reihenfolge, in der die Illustratorinnen zu uns gestoßen sind. Viel Spaß beim Lesen!

Anna illustriert Motive für Poster, Postkarten und einiges mehr. Ihre Designs sind auch bei nuukk zu finden und bei vielen Kund*innen beliebt. Außerdem betreibt sie einen eigenen Etsy-Shop und begeistert dort mit ihrer Kreativität und den liebevollen Illustrationen.

 

Hallo Anna, erzähl uns doch mal etwas über dich. Wie würdest du denn deinen eigenen Stil beschreiben?

Reduziert. Gut gelaunt. Sehr oft gestreift. Manchmal kariert. Bunt, aber harmonisch. Und eigentlich immer ohne Anspruch auf korrekte Perspektive oder Proportionen.

 

Du hast ein eigenes Studio. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Den typischen Tag gibt es ganz und gar nicht. Der Illustrationsalltag für Selbstständige pendelt zwischen etwa 10-20 % kreativer Zeichenarbeit und den restlichen Prozenten bestehend aus Mails, Telefonaten, Angebote und Rechnungen schreiben, Buchhaltung, Steuer, Druckdaten vorbereiten, Korrekturen umsetzen, technische Probleme lösen, Social Media / Marketing und das Studio aufräumen. In meinem Fall kommt noch das Packen und Versenden von Bestellungen aus meinem Online- und meinem Händlershop dazu. Ich mag die Abwechslung und dass ich an den meisten Tagen, das machen kann, wonach ich mich am ehesten fühle. Und ich mag, dass man eine „Einigermaßen-Expertin“ in so vielen Bereichen gleichzeitig wird.

 

Was sind die größten Ups und Downs beim Illustrieren bzw. bei der Arbeit als Illustratorin?

Zu den Gemeinheiten gehört auf jeden Fall zum einen, dass ich die oben genannten 10-20 % am allerliebsten mindestens verdoppeln würde. Die Aufteilung ist nur so mittelfair, finde ich. Und zum anderen gibt es immer auch ein paar ärgerliche Themen, wie die wenige Bereitschaft Illustrator*innen für ihre Arbeit fair zu bezahlen, gerade hier in Deutschland und gerade bei großen Kund*innen, die eigentlich fair entlohnen könnten. Oder viele anstrengende Nachahmer*innen, die keinen eigenen, besonderen Stil entwickeln, sondern das kopieren, was sie bei anderen Illustrator*innen sehen.

Dafür ist es aber knallercool, welche tollen Produkte, Kollektionen und Projekte mit den verschiedensten Labels entstehen. Dass Menschen meine Illustrationen so sehr mögen, dass sie damit ihr Zuhause einrichten, sich damit einkleiden oder meine Postkarten aussuchen, um sie an ihre allerliebsten Freunde oder Familie zu schicken. Das sind die größten Komplimente der Welt!

 

Das klingt toll. Auf welches Projekt bist du denn besonders stolz?

Viele, viele, alle?! Ich bin immer wieder ganz geehrt, wie viele Firmen, Labels, Menschen sich meine Illustrationen auf ihren Produkten vorstellen können – deswegen freut mich so ziemlich jedes Projekt sehr.

Stolz bin ich aber auch auf ein Freizeitprojekt, das ich mit der Illustratorin Daria Solak mittlerweile seit über 4 Jahren zusammen mache: Wir zeichnen jeden Samstag jeweils eine Illustration zu einer Songzeile, die abwechselnd eine von uns aussucht. Damit wir sicher gehen, auch mindestens einmal die Woche dazu zu kommen, eine ganz eigene Illustration ohne Kundenvorgaben zu gestalten. Das Ganze posten wir auf Instagram unter @BlameUsForOurMusicTaste. Vor 2 Jahren haben wir uns zum ersten Mal ganz live getroffen – in London, wo Daria lebt. Crazy Internetwelt!

 

Wow, coole Sache! Zeichnest du denn generell eher aus dem Kopf heraus oder mit einer Vorlage?

Das kommt ganz auf das Motiv an – oft suche ich mir für Haltungen, Gesichtsausdrücke, Tiere oder Gegenstände Fotovorlagen aus dem Internet und abstrahiere sie dann so sehr, dass sie den typischen Anna-Stil bekommen.

 

Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich glaube am allermeisten von anderen Illustrator*innen – die ich supersehrtoll finde.

Inspirieren geht klaro – kopieren nicht.

Farbkombis kommen auch oft aus der Umgebung, von Fotos, durch Interior, Mode, oder der Suppenschüssel neben dem karierten Geschirrhandtuch vor der bunten Fliesenwand in meiner Küche. Sowas inspiriert mich.

 

Wolltest du schon immer Illustratorin werden?

Meine Mama hat schon im Kindergartenalter prophezeit, dass ich eines Tages Kinderbücher illustriere. Nach der Schule habe ich aber erstmal Kommunikationsdesign in Aachen studiert und mein Plan war eine Werbekarriere. Reich und berühmt und angestellt. Dass Illustration ein ganz eigener Berufsweg ist, habe ich erst mitten im Studium gemerkt. Zum Glück hatte ich eine coole Dozentin, die das unterstützt hat und am Ende habe ich noch einen Illustrations-Master in Hamburg drangehangen. Den Umweg habe ich zwar erst verflucht, aber am Ende war es irgendwie doch ganz schön toll und genau richtig.

 

Hatte die Pandemie eine Auswirkung auf deine Auftragslage?

Ja, leider! Einerseits hat in den letzten zwei Jahren (nachvollziehbarerweise) kaum ein Laden bei mir eingekauft. Vor der Pandemie haben die Karten-, Poster- und Kalenderverkäufe an Händler ungefähr 50 % meiner Einnahmen ausgemacht. Die fallen nun einfach weg.

Und neben vielen abgesagten Projekten und Aufträgen herrscht in letzter Zeit außerdem eine wahnsinnige Unzuverlässigkeit – Projekte werden angefragt, kalkuliert und dann wegignoriert. Mit Absagen könnte ich in dieser unsicheren Zeit leben, aber von Kund*innen geghostet zu werden ist irgendwie nochmal sehr viel blöder als von Dating-Bekanntschaften.

 

Warst du denn schon immer selbständig oder auch schon angestellt?

Seit meinem Abschluss 2016 habe ich mich direkt hauptberuflich selbständig gemacht.

Angestellt zu sein kenne ich lediglich von einigen Nebenjobs neben dem Studium. Ist glaube ich beides ziemlich gleich schön und anstrengend. Da es wenig (tolle) Anstellungen für Illustrator*innen gibt, bleibt es erstmal die Selbstständigkeit. Plan B ist Trucker-Fahrerin. Eines Tages.

 

Welchen Tipp kannst du all denen geben, die sich gerne als Illustrator*in / mit einem Label selbständig machen möchten?

Ganz viel Geduld haben und  sich trauen, die eigene Arbeit zu zeigen. Es gibt immer Menschen, die sie toll finden. Die Menschen, die Illustrator*innen beauftragen sind nicht die Stars aus der eigenen Szene, sondern die, die sich über jegliche Alternative zu Prinzessin Lillifee freuen.

Der Stil und die Arbeitsweise dürfen sich über die Jahre verändern und verbessern. Irgendwann pendelt sich der eigene Stil ganz von selbst ein. Bei mir ist es eine Mischung aus dem, was mir am besten gefällt und dem, was mir am leichtesten zu zeichnen fällt.

Und am Ende ist das allertollste Ziel eine eigene Nische, irgendwas was die eigene Arbeit abhebt und besonders macht.

 

Tolle und inspirierende Worte, liebe Anna. Wie schön, dass du bei nuukk mit dabei bist! 

 

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